Montag, 13. August 2012

Alfred Hitchcocks Meisterwerk des Film noir: ‚Im Schatten des Zweifels‘.

Shadow of a Doubt
Kriminalfilm | USA 1943 | FSK 16 | 108 Minuten | Regie: Alfred Hitchcock

Die Art und Weise, mit der Hitchcock einen Spannungsaufbau kreiert, ist atemberaubend. In Schadow of a Doubt agiert sich das Dasein eines engen, umschwärmten Verwandten um die Gefahr der Nächstenliebe, quasi um den Zweifel im Schatten; im Schatten des Menschen, den man denkt zu kennen, doch eigentlich nicht. Eine Geschichte des Film noir, so schwarzseherisch und geistreich, in seinem Erzählstil und Bildgestaltung wunderschön ausgeschmückt, was Alfred Hitchcocks Meisterwerk der schwarzen Serie bodenlos faszinierend und packend macht. Seine Fasson, in der er zurückhaltend charmanten Humor und Sympathien einsetzt, lässt sich den Betrachter in die Figuren und somit mitten ins Geschehen einfühlen, die glänzende Schauspielschar tritt unwahrscheinlich dufte in Erscheinung. 
In unserer Lieblingsenzyklopädie heißt es: „Shadow of a Doubt gilt als Hitchcocks Lieblingsfilm und auch als sein persönlichstes Werk. Es gibt zahlreiche Parallelen zu Hitchcocks Leben, sei es der Name der Mutter, biografische Erlebnisse, die er in Dialoge einflocht, oder, laut Donald Spoto in seiner umfangreichen Hitchcock-Biographie, die Tatsache, dass man in den beiden Hauptfiguren (den beiden Charlies) die zwei verschiedenen Persönlichkeitsaspekte Hitchcocks wiederfindet.“ 
Gerade mein zweiter Hitchcock und schon jetzt einer meiner verehrtesten Werk für die Ewigkeit. 



Freitag, 10. August 2012

Filmmusik #3: ‚Elephant Woman‘ – Blonde Redhead.

Nach den letzten Scores gibt es heute einen Soundtrack, also Filmmusik mit Gesang, auf die Ohren: Den Song ‚Elephant Woman‘ von der amerikanischen Dream-Popband Blonde Redhead, hörbar im mörderischen Thriller Hard Candy von David Slade aus dem Jahr 2005 mit Ellen Page und Patrick Wilson in den Hauptrollen. Kräftige wie ebenso verträumte Klänge knallen aus dem Nichts, die das unberechenbar herausfordende Finale perfektionieren. 



Montag, 6. August 2012

Vorlesen und vorgelesen bekommen als anheizendes Vorspiel: Kate Winslet in ‚Der Vorleser‘.

The Reader
Drama | USA/Deutschland 2008 | FSK 12 | 114 Minuten | Regie: Stephen Daldry

Vorlesen und vorgelesen bekommen als anheizendes Vorspiel: Kate Winslet macht die arme KZ-Wächterin, leidig blickt sie in die Kamera, anteilnehmend klimpert die Leidensmusik und analphabetische Schicksalsschläge möchten sich fest in des Beobachters längst abgekühlten Herzchens drücken. Nicht zu glauben, aber es wirkt tatsächlich so, als flüstere der Film: „Sie ist auch nur ein Mensch. Wir müssen lernen zu verzeihen.“ Sicherlich nicht falsch. Wir haben die Zeit nicht miterlebt und wer weiß, was der Mensch wie Du und Ich getan hätte. Doch dies in einem Film plakativ, bemitleidenswert und verständniserregend, entschuldigend dargestellt zu bekommen, stellt sich nicht nur als äußerst beunruhigend heraus, sondern erscheint einfach sehr strittig. Dazu grenzwertiges Spielchen vom Krabätchen David Kross; Kate Winslet agiert nicht schlecht, aber war nie schlechter. Doch wenigstens hat sie im Knast schreiben gelernt. Und der Oscar bleibt ein Rätsel.




Lars von Triers einmaliges Kunstwerk: ‚The Element of Crime‘.

Forbrydelsens element
Kriminalfilm | Dänemark 1984 | FSK 16 | 104 Minuten | Regie: Lars von Trier


Ein einmaliges Kunstwerk Lars von Triers, in welchem seine Kunstimagination vollkommen entfachtet wie in keinem anderen seiner Schöpfungen. Das apokalyptische Film noir en jaune, die Suche nach einem Mörder in des Mörders Seele selbst inmitten des Schlunds einer Trance. Ein unvergleichlicher Brocken Kunst. 

„Do you believe in good or bad?“







Sonntag, 5. August 2012

Fellinis ‚La Strada – Das Lied der Straße‘ und die Meisterleistung von Giuletta Masina.

La Strada
Melodram | Italien 1954 | FSK 16 | 104 Minuten | Regie. Federico Fellini

Wie eine vertrauensselige junge Frau mit ihrem Ausdruck und Art einen Film führen kann, offenbart Fellinis ‚La Strada‘ wie eine eins. Es ist die Eindringlichkeit des Spiels und die Ehrlichkeit, mit der erzählt wird, die das Publikum anzieht, für sich gewinnt und letzten Endes teilhaben lässt. An und für sich hoffnungsvolles Gefühlskino, das mein Inneres besiegt.
 
„The Fool is hurt.“





Samstag, 4. August 2012

„TV ist ‘ne Droge! TV macht süchtig!“ Sadomasochistische Fernsehsendungen mit David Cronenbergs ‚Videodrome‘.


Videodrome
Thriller | Kanada/USA 1983 | FSK 18 | 89 Minuten | Regie: David Cronenberg

‚Videodrome‘ hangelt sich irgendwo zwischen medienkritischer Genialität und vollkommener Kotze. An dieser Stelle lasse ich Nina Hagen für sich sprechen:
Allein!
Die Welt hat mich vergessen.
Ich hänge rum!
Hab's bei allen verschissen.
Ich sitz' zu Hause,
Keine Lust zu gar nichts!
Ich fühl' mich alt,
Im Sumpf wie meine Omi.
Ich schalt' die Glotze an,
Die Daltons Waltons, everyone.
Ich glotz' von Ost nach West!
Ich kann mich doch gar nicht entscheiden,
Ist alles so schön bunt hier!
Ich glotz' TV!
Ich glotz' TV!
Ich bin so tot!
War das nun schon mein Leben?
Meine schöne Phantasie!
Meine Schaltstellen sind hinüber!
Ich schalt' die Glotze an,
Happiness, Flutsch-Flutsch! Fun fun!
Ich glotz' von Ost nach West!
Ich kann mich gar nicht entscheiden,
Ist alles so schön bunt hier!
Ich glotz' TV!
Ich glotz' TV!
Ich krieg 'ne Meise weil
Na, ich fass' kein Buch mehr an!
Literatur? Da wird mir übel!
Und die Arztromane hab' ich mit zwölf hinter mich gebracht.
Mann, bin ich belesen, ey!
Und die Erfrischungswaffeln sind ausgelaufen.
Und diese Scheißschokolade macht einen fetter und fetter
Und fetter und fetter und ach!
Ich schalt' die Glotze an,
Happiness, Flutsch-Flutsch! Fun fun!
Ich glotz' von Ost nach West!
Ich kann mich doch gar nicht entscheiden,
Ist alles so schön bunt hier!
Ich glotz' TV!
Ich glotz' TV!
Ich glotz' TV!
Ich glotz' TV!
Ich glotz' TV, TV, TV, TV, TV, TV, TV!
TV, TV, TV, TV, TV, TV!
TV IST 'NE DROGE!
TV MACHT SÜCHTIG!
TV TV TV TV TV!
– 'TV-Glotzer' von Nina Hagen Band. 



Donnerstag, 2. August 2012

‚The Dark Knight Rises‘ expoldiert förmlich vor Bombastik.


The Dark Knight Rises
Action | USA/Vereinigtes Königreich 2012 | FSK 12 | 164 Minuten | Regie: Christopher Nolan

Verehrtes Publikum, hier ist er! – So oder so ähnlich malte sich ein Jeder einen Christopher Nolan aus, der den Vorhang der Kinoleinwand aufzieht und dem Volke überstolz sein neues Werk präsentiert. Dann beginnt’s. Christian Bale kämpft wieder mit einem Stock im Arsch, Anne Hathaway imitiert die Catwoman und Hans Zimmers musikalische Daueruntermalung macht ein auf Epic – zugegeben: Es ist bombastisch. Christopher Nolan weiß zu inszenieren und was man auch meinen will, scheitern tut er daran nicht. Es ist gigantisch, es ist riesig und Nolan beendete das, was er schuf: Einen Batman in der realen Welt, fantasielos und nüchtern. Ich präferiere den Burton, ‚The Dark Knight Rises‘ ist aber alles andere als schlecht. Es ist Action, nicht mehr, nicht weniger, und das hochgefahren und gewaltig. In meinen Augen nicht bedeutsam anders als sein hochgelobter Vorgänger, subjektiv gesehen hat dieser hier mich sogar noch mehr in den Bann genommen. 

„Du schuldest diesen Leuten nichts mehr.“