Dienstag, 23. September 2014

Besser als das Buch: »Erbarmen« von Jussi Adler-Olsen.

Kvinden i buret
Kriminalfilm | DE/DK/SE 2013 | 97 Minuten | FSK 16 | Regie: Mikkel Nørgaard 

Ich mochte das Buch nicht besonders gern. Ich finde die Handlung fad, die Ermittlungen langatmig und uninteressant, die Figuren etwas platt. Vor allem wirkte das Buch auf mich allerdings sehr angestrengt und Adler-Olsens Schreibstil ein wenig zu hochtrabend und affektiert – immer wieder musste ich mich dabei erwischen, wie ich über besonders gestelzte Sätze lachen musste, vor allem in den Teilen des Buches zu finden, die die Gefangenschaft von Merete Lynggaard betrifft (»Doch sie würde nicht aufgeben […]«). Und immer wieder erwischte ich mich dabei, wie ich »Erbarmen« mehr und mehr zum Stieg-Larsson-Abklatsch empfand: Carl Mørck als uncoolerer Mikael Blomkvist und sein cleverer Neuling Assad als lustigere Lisbeth Salander. 

Doch der Film ist eigentlich geradezu wunderbar. Allein atmosphärisch ist »Erbarmen« sogar sehr stark. Die Verfilmung ist von Nørgaard gut gemacht, schauspielerisch gut gespielt und auch charakterlich ist der Film interessant. Während das Buch lang an Ermittlungen festhielt, geht eigentlich so gut wie alles in der Verfilmung schnell und kurzweilig vorüber – für einen Krimi meiner Meinung nach ein Kompliment. Dennoch trifft der Film auch in den gefühlvollen Momenten oftmals den richtigen Ton – besonders während der emotionalen letzten Minuten darf der Zuschauer Gänsehaut bekommen. Anfangs dachte ich, aus »Erbarmen« kann man vielleicht gerade mal einen etwas aufregenderen Tatort machen, doch das stimmt wirklich nicht. »Erbarmen« geht weit über ein wenig Großstadtkriminologie hier und da hinaus. Wenn auch nicht überragend, aber ein kleines aufregendes Spannungsmeisterwerk ist dieser dänische Krimi schon. I like.





Donnerstag, 4. September 2014

Kommentarlose Bewertungen #26: August 2014.

Tammy | Komödie | US 2014| Regie: Ben Falcone | 5/10

Can a Song Save Your Life? | Drama | US 2013| Regie: John Carney | 7/10

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro | Action | US 2014| Regie: Marc Webb | 7/10

Boyhood | Drama | US 2014| Regie: Richard Linklater | 5/10

Lucy | Science-Fiction | FR 2014| Regie: Luc Besson | 7.5/10

James Bond 007 – Im Angesicht des Todes | Thriller | UK 1985| Regie: John Glen | 6.5/10


Die Bestimmung – Divergent | Science-Fiction | US 2014| Regie: Neil Burger | 3/10 

Mittwoch, 20. August 2014

Teenie-Knuddel und Wannabe-Melancholie in »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«.

The Fault in Our Stars
Drama | US 2014 | FSK 6 | 126 Minuten | Regie: Josh Boone



Wie der Film zu Beginn damit propagiert, dass man so eine Geschichte über Krebs nur traurig und ohne Schönreden erzählen kann, ist ein Witz. Wenn der Film dies tun würde und seine Geschichte ehrlich und mutig erzählen würde, hätte mich etwas wie »21 Gramm« oder »Das Meer in mir« erwartet. Aber natürlich ist dies nicht der Fall – wie man eigentlich am albern-naiven Titel schon feststellen kann. Natürlich ist dies eine Liebesgeschichte. Und wird hier nicht die ganze Zeit das Leben schön und lebenswert geredet? Nicht dass das schlimm wäre, doch wenn sich plötzlich doch alles nur noch um Teenie-Schmalz, Witzeleien und um die Süße und Niedlichkeiten des Lebens geht, verstehe ich nicht, wie der Film die Wahrheit über das Todkranksein erzählen will. Denn ich denke, meistens sieht die Wahrheit nicht so aus, dass ich in der Therapie urplötzlich meinen Mr. Charming kennenlerne, mit dem ich Träumen und Kuscheln kann und alles ist – zumindest für eine Weile – gut. Diese Vorstellung ist niedlich und schön, doch geht einem – sicherlich auch solange man kein Teenager ist – schnell auf die Nerven. Überhaupt empfinde ich bei diesem Film eine Peinlichkeit, nicht nur aufgrund der schnuckeligen Versüßung der Krebsgeschichte: Wenn auf einmal nach allem Witz und Charme, nach dem ganzen »Du hast mir das Leben doch noch schön gemacht!« die Stimmung gedrückt werden soll (in anderen Worten: nun zurück zur Traurigkeit, Tränen sollen aus euren Augen fließen! – by the way total berechenbar), dann wird ganz eindringlich und plakativ ein reißerischer Birdy-Song gespielt. Buar. Shailene Woodly spielt meiner Meinung nach übrigens nicht gut. 
»Doch das (Schönreden) ist nicht die Wahrheit« heißt es – dann ist der Film wohl nur eine Lüge. 




Freitag, 8. August 2014

Kommentarlose Bewertungen #25: Juli 2014.

Under the Skin | Science-Fiction | UK 2013| Regie: Jonathan Glazer | 7/10

Wasser für die Elefanten | Drama | US 2011| Regie: Francis Lawrence | 7/10

Labor Day | Drama | US 2013| Regie: Jason Reitman | 6/10

Das Schicksal ist ein miser Verräter | Drama | US 2014| Regie: Josh Boone | 4/10

No Turning Back | Thriller | US/UK 2013| Regie: Steven Knight | 5/10

Transcendence | Science-Fiction | US 2014| Regie: Wally Pfister | 3/10

Wenn Träume fliegen lernen | Drama | US/UK 2004 | Regie: Marc Forster | 6/10

The Kids Are All Right | Komödie | US 2010| Regie: Lisa Cholodenko | 7.5/10

Revenge – Staffel 1 | Dramaserie | US 2011| Created by Mike Kelley | 9/10

Breaking Bad – Staffel 1 | Dramaserie | US 2008| Created by Vince Gilligan| 7/10

Verblendung | Thriller | US/SE/GB/GER 2011| Regie: David Fincher | 8/10


Das Bildnis des Dorian Gray | Drama | GB 2009| Regie: Oliver Parker | 4/10 


Montag, 4. August 2014

Meine neue Lieblingsserie »Revenge« – Hamptons und Intrigen.

Revenge
Dramaserie | US 2011 | Created by Mike Kelley


Was für ein Spannungsmeisterwerk von Serie, was für eine grandiose Besetzung, was für Rollen und Figuren, die ja noch nicht mal unbedingt diejenigen sind, die sie sagen zu sein. Eine Serie über Rich Kids, die Hamptons und seine Schönen und Reichen, aber vor allem über ihre Abgründe und Geheimnisse. Darüber, wer am Ende doch noch Moral und eine gute Seele zeigt und wer nicht. Wer Unschuldigen Verbrechen zuschiebt und wer die Macht dazu hat. Wer Rache ausübt, wer dabei hilft und wer sich irgendwann selbst dafür verzeiht.



Montag, 14. Juli 2014

Bryan Fullers Serienhit »Hannibal« mit Mads Mikkelsen und Hugh Dancy ist ein Hit.

Hannibal
Thriller/Drama-Serie | US 2013 | Created by Brian Fuller

Witzig, dass Wolfgang M. Schmitt Jr. heute in der Filmanalyse über das Thema Serie spricht und wie egal ihm Serien sind. So ähnlich waren meine Gedanken zum Thema Serienhype der letzten Jahre auch – bis mich »Hannibal« einholte. Was »Hannibal« so besonders macht, ist die Perspektive, aus der wir die Kriminalität betrachten. Durch den von Hugh Dancy wundervoll gespielt und gelebten Hauptdarsteller Will Graham blicken wir jede Folge erneut – aber nie ermüdend – dem Tod und dem Mörder wie einem Teufel direkt in die Augen. Dass dieses ständige Eindringen in den Verstand eines Mörders einem sensiblen Menschen auf die Seele schlägt, ist nicht nur erdenklich, sondern macht die Serie so menschlich und emotional. Es geht um die Belastbarkeit des Menschen; wie viel Grausamkeit er ertragen, sehen – und wie Will in der Lage dazu ist  – spüren kann. Ich wage mich fast zu sagen, es würde in der Serie um das Brechen einer menschlichen Seele gehen – interessant ist doch, dass Dr. Hannibal Lector sogar selbst in einer Szene mit Will Graham genau darüber spricht: »Habe ich Sie gebrochen?«

Interessant an »Hannibal« sind auch die Geschlechterrollen. Will Graham, ein Mann, so schwach, sensibel und zerbrechlich wie Porzellan. Alles andere als ein üblicher Serienheld von Ermittler. Er ist vielleicht ein kleiner Held durch seine Gabe, in den Verstand der Mörder einzudringen, doch der Preis dafür ist seine Stärke und sein eigener Verstand, den er mehr und mehr verliert. Und wie Dr. Hannibal in einer Szene zu Will Graham so etwas wie »Wir müssen jetzt gute Väter für Abigail Hobbs sein« sagt, lässt einen ein wenig warm ums Herz werden. Überhaupt hat man die Kultfigur des Hannibal Lector seit »Das Schweigen der Lämmer« eigentlich nicht großartiger sehen dürfen. Mir persönlich gefällt dieser – nicht zuletzt dank dem wunderbaren Mads Mikkelsen – viel stilvollere Dr. Hannibal sogar noch viel besser als Anthony Hopkins Rolle. Ich freue mich auf Staffel 2 – na und, dann ist es eben Zeitverschwendung. Sie hat wenigstens Stil. 

Hier geht es zur Kritik der 3. Staffel



Donnerstag, 3. Juli 2014

Ben Afflecks zweites gelungenes Amerika-Milieu-Portrait »The Town – Stadt ohne Gnade«.

The Town
Thriller | US 2010 | FSK 16 | 125 Minuten | Regie: Ben Affleck

Fast so exzellent wie in seiner ersten Regiearbeit »Gone Baby Gone« gelingt es Ben Affleck, ein großartiges kleines Amerika-Portrait zu erschaffen. Wieder blickt er in Gesichter abseits des amerikanischen Traums (oder des amerikanischen Traums?), wieder blickt er in die Fassade eines bodenlosen Milieus. Diesmal leider ohne Casey Affleck und mit mehr Action, die dennoch niemals sinnlos eingesetzt wird, sondern immer, um die Hemmungslosigkeit zu untermalen, erschafft Affleck hier keinen typischen Genre-Banküberfall-Thriller, es geht hier im Grunde um viel mehr. »The Town« ist emotionsgeladen, blickt fast milieustudienartig in seine »Stadt ohne Gnade«, vor allem aber geht es um die Frage, die eigentlich viel zu einfach klingt: Kann die Liebe einen zum besseren Menschen machen? Ist sie stärker als die Kriminalität und die Vergangenheit? Ich bin ein bisschen Affleck-Fan.