Freitag, 5. August 2016

Selten passte eine Stadt besser zu seiner Protagonistin: Vivien Leigh in »Der römische Sommer der Mrs. Stone«.

The Roman Spring of Mrs. Stone
Drama | GB 1961 | 100 Minuten | FSK 12 | Regie: José Quintero

Es ist wunderschön, wenn wir Rom, die Stadt der ewigen Schönheit, immer wieder als eine Art Parallele zu unserer Protagonistin Karen Stone erkennen. Denn genau wie Rom ist auch Karen, gespielt von einer atemberaubenden Vivien Leigh, auf der Suche nach der großen Pracht, dem ewigen Glück und der Leichtigkeit des Lebens. Und gleich zu Beginn des Films offenbart der Erzähler, dass Karen aufgrund ihrer Trauer in der Vergangenheit lebt und ihr Rom tröstlich und beruhigend erscheint – Rom, die „vergangene“ Stadt überhaupt, in der man sich vorkommt, als laufe man auf Historik herum. Vivien Leigh spielt Karen, die nach dem Tod ihres Mannes und dem langsamen Niedergang ihrer Karriere verzweifelt auf der Suche nach Halt, Sinn oder einfach Irgendetwas ist, mit einer solchen Eleganz und Melancholie, die dem Leerlauf und der Melodramatik des Films eine ganz neue Substanz verleiht. Und wenn sie sich mit gläsernen Augen durch Rom wühlt, da bekommt man eine richtige Gänsehaut.



Donnerstag, 7. Juli 2016

Elle Fanning im Modebusiness von L.A.: Nicolas Winding Refns »The Neon Demon«.

The Neon Demon
Drama | DK/FR/US 2016 | 110 Minuten | FSK 16 | Regie: Nicolas Winding Refn

Ich bin ein Ästhet. Ich liebe schöne Dinge. Und ich liebe schöne Filme mit einzigartiger Ästhetik. Und ich wollte nicht auch noch darüber schreiben, aber selbstverständlich geht es in diesem Film um die Schönheit. Zuerst dachte ich, er handelt in seiner ganzen Oberflächlichkeit und seiner sinnlosen Suche nach Beauty von Nichts. Doch wie der Film selbst sagt, ist Schönheit »das Einzige«. 

Es würde mir unfassbar leicht fallen, diesen Film schlecht zu machen. Natürlich ist er langweilig und das liegt eindeutig vor allem daran, dass er unheimlich berechenbar ist. Auch hat »The Neon Demon« rein gar nichts Neues über die Modebranche zu erzählen. Wir kennen die Widersprüchlichkeit des Schönheitsideals, das auf der großen Suche nach der natürlichen Schönheit ist, und wenn keine Schönheit da ist, so wird an bestimmten Stellen nachgeholfen. Das sehen wir alles in dem Film. Die einmalige, natürliche Schönheit wundervoll von Elle Fanning verkörpert. Und die austauschbaren Huren des Laufstegs, gespielt von Abby Lee und Bella Heathcote. Alles endet in einer Flut aus Neid und Wahnsinn. 

Das Interessante in meinen Augen ist jedoch, dass Refn einen völlig gestalteten, stilvollen Film über Stil machte – man könnte auch sagen: einen schönen Film über Schönheit oder einfach einen oberflächlichen Film über die Oberfläche. Der Film selbst ist die ganze Zeit unaufhaltsam auf der Suche nach Schönheit, nach der nächsten schönen Belichtung, nach dem nächsten Farbfilter oder nach der nächsten großen Symbolik. »The Neon Demon« hat es nicht mehr nötig, sich mit dem Innenleben der Figuren zu beschäftigen – was doch dem Business so unfassbar nahe kommt, welches dies nämlich auch nicht tut. Er trägt seine ganze Erzählung auf die Äußerlichkeit. Wir haben es nur noch mit Körpern oder wandelnden Leinwänden zu tun. Wie bei einem Gemälde. Form ist Inhalt.




Freitag, 24. Juni 2016

Bustillo & Maury am Tiefpunkt: »Among the Living – Das Böse ist hier« ist dümmlicher Horrormist.

Aux yeux des vivants
Horror | FR 2014 | 90 Minuten | FSK 18 | Regie: Alexandre Bustillo & Julien Maury

Kaum zu glauben, dass dies ein Film von Bustillo und Maury ist. Was ihre vorherigen Filme so besonders machte, war ihr Gespür für Stimmung, für Atmosphäre und für punktgenauen Nervenkitzel. Dieser Film hingegen ist ein räudiges, stumpfes Potpourri aus Schund und Dummheit. Ich respektiere und liebe die Vielfalt, die Kreativität und den Mut des Horrorfilms, aber ich bin erschrocken, was für ein dümmliches, geistloses und lächerliches Filmchen Bustillo und Maury hier erschaffen haben. Was die Leute als »wirr« bezeichnen und dass »oben nicht zu unten« passe, ist das Ergebnis aus einer kindischen Abfolge von Ideen und Inspirationen, irgendwo zwischen Stephen King, 80er-Jahre US-Horror und Dario Argentos beschissenem Spätwerk. Als »Among the Living« dann immer mehr ins familiäre Sozialdrama gezogen wird, am Ende sogar am Grabe gemeinsam getrauert wird und das alles ernst gemeint ist, war mir richtig übel.



Mittwoch, 22. Juni 2016

Die nachdenkliche Dokumentation über Cristiano Ronaldo, den besten Fußballspieler der Welt.

Ronaldo
Dokumentarfilm | GB 2015 | 102 Minuten | FSK 0 | Regie: Anthony Wonke

Dieser Film hat tatsächlich etwas Verstörendes an sich. Er könnte in seinen stillen Momenten sogar von einem Refn gefilmt sein und er ist so sentimental, dass er einem Iñárritu gleicht. Wenn dann auch noch diese schwermütige Musik im Hintergrund eingespielt wird oder eine unvergleichlich melancholische Stimmung aufkommt, als Cristiano Ronaldo »Stay« von Rihanna trällert und im Wechsel ein Moment mit seinem Sohn bei einem Feuerwerk gezeigt wird, dann bekommen die schönen glänzenden Bilder fast schon eine tiefe Nachdenklichkeit. 

Ronaldo ist eine Oberfläche, eine Marke und ein Werbeplakat. Und er ist sich dessen bewusst. Er weiß, dass er ein großes Ego hat und er weiß, wie er nach außen wirkt und was die Leute sagen. Umso interessanter ist dieser Film, in dem wir ihm ganz nah sind und eigentlich auch nicht. Außergewöhnlich ist, dass wir trotz der Nähe wenig über ihn erfahren, was wir nicht schon wussten. Es ist ein unnahbarer Film über eine unnahbare Persönlichkeit. Vielleicht weil Ronaldo nicht viel mehr hat als den Sieg, den Luxus und seine Mutter. In diesem Film bekommt der Zuschauer jedenfalls immer wieder dieses bedrückende Gefühl – auch ein Grund dafür, dass so viele den Film »gruselig« oder »traurig« fanden. Es ist fast krankhaft, wie Ronaldo den Sieg vergöttert. Es gibt nichts anderes in seinem Leben als den Sieg. In einer Szene sagen seine Freunde, er sei nie zufrieden mit dem, was er habe. Er wolle immer mehr. Und dann bekam er einen Sohn, der vielleicht das größte Geheimnis von allem ist. Als Ronaldo davon spricht, dass er niemandem sagen möchte, wer die Mutter ist, kommen einem fast die Tränen: »Die Leute spekulieren, wer die Mutter ist. Ich habe es keinem gesagt und ich werde es nie sagen. Und später, wenn er erwachsen ist, werde ich mit ihm sprechen und ihm sagen, was ich getan habe, was ich fühlte und was mir durch den Kopf ging.« Ich glaube, in ihm steckt eine große Sehnsucht. Als wolle er vor lauter Einsamkeit eine kleine, glückliche, unschuldige Seele in seiner kühlen Designervilla haben. Und es ist schön, die beiden zu sehen. Als habe der siegessüchtige Weltstar ein wenig mehr Sinn im Leben gefunden.



Montag, 20. Juni 2016

Mein Filmranking: Baz Luhrmann.

Für Baz Luhrmann gibt es nichts Schöneres als die Musik, den Tanz und die großen Gefühle. Manchmal denke ich, wie schön es wäre, wenn die ganze Welt sich nur für diese Künste interessieren würde. Ich liebe seine Verspieltheit und sein Geschick, die Nostalgie und das längst als veraltet Abgestempelte in die Moderne zu bringen – und so doch irgendwie »die Vergangenheit zu wiederholen«.
  1. Der große Gatsby  10/10
    »All die strahlenden, kostbaren Dinge vergehen so schnell und sie kommen nicht zurück.« Ich könnte den ganzen Tag nichts anderes tun, als aus diesem Gefühlsmeisterwerk zu zitieren.
  2. Moulin Rouge  8/10
    OMFG
  3. William Shakespeares Romeo + Julia  8/10
    Unvergleichlich.
  4. Australia  8/10
    Hugh, Nicole, Australien.
  5. Strictly Ballroom  8/10
    Natürlich noch etwas naiv, aber gerade deshalb so süß und freimütig.

Sonntag, 19. Juni 2016

Meine neuen Bewertungsschildchen sind da!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

einigen von Ihnen mag es bereits aufgefallen sein: Die alte Bewertungsskala konnte auf mysteriöse Weise nicht mehr angezeigt werden und somit musste ich etwas Neues kreieren. Aufgrund meiner Liebe zur RTL-Tanzshow »Let's Dance« und ihrer wundervollen Jury habe ich mich inspirieren lassen und nun dürfen Sie sich jedes Mal vorstellen, ich würde laut die Bewertung rufen und eins dieser tollen Schildchen hochhalten, wenn ich eine Kritik veröffentliche. Das Bewertungsschema bleibt aber wie gewohnt, halbe Punkte sollten die Ausnahme sein, aber zu oft kann ich mich zwischen zwei runden Zahlen nicht entscheiden.



0,0 | Beschissen.
Ein unfassbares Machwerk, das sehr an den Nerven kratzt.


1,0 | Erbärmlich.
Sehr großer Schund. Einen Punkt für irgendwas.


2,0 | Miserabel.
Ganz schön schlecht.


3,0 | Lausig.
Ziemlich jämmerliches Werk.


4,0 | Uninteressant.
Dürfiger Film, der häufig einfach uninteressant erscheint, da
weder völlig schlecht, noch irgendwo gut, sondern einfach
unergiebig.


5,0 | Geht so.
Weder schlecht, noch gut. Irgendwas dazwischen.


6,0 | Ganz gut.
Zumeist nichts Besonderes, aber etwas recht anständiges.


7,0 | Gut.
Ein guter Film, der sich sehen lassen kann.


8,0 | Sehr gut.
Ein hervorragender Film, der durch seine Beispiellosigkeit
im Kopf verbleibt.


9,0 | Grandios.
Ein Film, nahe an der Perfektion.


10,0 | Überwältigend. 
Ein Film der absoluten Vollkommenheit.


Samstag, 18. Juni 2016

Brad Pitt im poetischen Western-Meisterwerk »Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford«.

The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford 
Western | US 2007 | 156 Minuten | FSK 12 | Regie: Andrew Dominik

Bereits seit drei Jahren überlege ich, was mich an diesem Film so fasziniert. Ich las unzählige Kommentare und Kritiken zum Film, aber verstand nie, was ihn nun so groß machte. Zum einen wird der Film natürlich wundervoll von einem Erzähler erzählt, wie wir es auch aus der fantastischen Roman-Verfilmung »Little Children« oder aus Lars von Triers »Dogville« kennen. Zum Zweiten hat der Film eine atemberaubende Grundstimmung, eine tiefe Atmosphäre und spielt mit der großen Charaktertiefe der Figuren. Zum Dritten ist er wundervoll besetzt. Und da stehe ich wieder dort, wo ich auch am Anfang stand. Ich kann nicht mehr über diesen Film schreiben, als ihn damit zu rechtfertigen, dass er etwas ganz Besonderes ist. Irgendetwas in diesem Film löst was in einem aus. Jenny zitierte bereits, dass sie in diesem Film all das fand, was sie in Sergio Leone nie gefunden hat. Und dem stimme auch ich zu. Ich könnte mir selbst in meinen besten Träumen keinen so poetischen, melancholischen Western vorstellen.